Filmkritik zu Boat Trip
Heteros auf einer Schwulenkreuzfahrt
Jerry wurde von seiner Freundin in genau dem Moment verlassen, in dem er ihr einen Heiratsantrag machen wollte. Ein halbes Jahr später ist er immer noch nicht so richtig über seine Ex-Freundin hinweg. Da überredet ihn sein beleibter Kumpel Nick zu einer Kreuzfahrt, von denen er schon so einiges Positives gehört hat. Positiv in Bezug auf Frauen klar machen und mit diesen dann lange Liebesnächte zu verbringen. Genau das, was Jerry (und alle anderen Männer) jetzt benötigt, um endlich wieder ins Leben zurückzukommen. Gehört, gebucht. Nur dass bei der Buchung ihnen boshafterweise eine falsche Kreuzfahrt aufgeschwatzt wurde. Auf dem Gaydampfer angekommen wird den beiden Casanovas erst nach einiger Zeit klar, dass gerade mal eine handvoll Frauen an Bord sind und diese allein zum Personal gehören und diese Frauen sicherlich nichts mit ihnen anfangen wollen, denn sie gehen natürlich davon aus, dass auch Nick und Jerry dem anderen Ufer zugetan sind. So auch die auf dem Schiff arbeitende Tanzlehrerin Gabriella, in die sich Jerry das erste mal nach seiner Trennung sofort verliebt, und mit ihr einige Zeit engeren Kontakt hat, womit die Probleme natürlich vorprogrammiert sind.
Schwachsinn hoch drei
So eine 08/15 Story nach Hollywoodmachart, die wirklich jegliches Klischee bedient und natürlich mit einem freudigen Ende abschließt habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Die erste halbe Stunde des Films verrät noch nicht so wahnsinnig viel über das Niveau, wenn auch nicht gerade viele Witze zünden. Selbst kleine Auftritte wie von Will Ferrell sind wenigstens abwechslungsreich. Spätestens jedoch ab der Hälfte, als sich Jerrys Kumpel Nick mit dem schwedischen Topmodel-Coach zu schaffen macht, ist es vorbei. Ab da wird es wirklich unterirdisch.klick für SPOILER
In den letzten paar Minuten des Films wird von den Drehbuchautoren, bzw. dem Regisseur noch so viel versucht unterzubringen, dass der Film aus allen Nähten platzt und eine Flut von harten Cuts auf den Zuschauer einhämmert. Das schießt wirklich den Vogel ab und man schüttelt eigentlich nur noch den Kopf.
Cuba Gooding Jr. hat ja nun wirklich nicht so viele top Filme gemacht wie einige andere seiner Kollegen. Der letzte gute Auftritt, der mir persönlich im Gedächtnis geblieben ist, ist der als schwuler Kunsthändler in "Besser geht's nicht" neben Greg Kinnear und Jack Nicholson. Oder in Instinct neben Anthony Hopkins. Aber in einem Film mit schlechten Witzen und einer schlechten Handlung? Wie überdies die Macher von Boat Trip es geschafft haben, Roger Moore für sich zu gewinnen, bleibt mir wirklich schleierhaft.
Ich schreibe jetzt mal ein neues, realistischeres Ende:
Nachdem Jerrys Ex-Freundin auf dem Dampfer ist, jagt er sie zum Teufel, denn verdient hat sie ihn garantiert nicht. Die Tanzlehrerin Gabriella ist von Jerrys Lügen so sehr angewidert, dass auch sie ums Verrecken nichts mehr von ihm wissen will. Und das bleibt auch so.
Also darüber hätte ich gelacht.
Fazit
Der Titel erinnert natürlich an Road Trip. Hat damit aber so viel zu tun, wie Gesichtspeeling mit Klopapier. Nicht einmal die Badenixen wie Victoria Silvstedt holen einen Anschauungswert heraus. Der Film hätte wirklich nicht sein müssen.
walle Bilder © Concorde
Cinefreaks Wertung:
Fakten
| Originaltitel: | Boat Trip |
| Land/Jahr: | USA/Deutschland 2002 |
| Genre: | Komödie, Romantik |
| Regie: | Mort Nathan |
| Drehbuch: | Mort Nathan, William Bigelow |
| Studio: | Concorde |
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