Filmkritik zu Bad Santa

Versoffener, Kinder verprügelnder Weihnachtsmann

Wer kennt den Weihnachtsmann nicht? Er ist weise, alt, hat fleißige Helferlein und sein sehr gutmütiges Herz.
Anders Willie. Er spielt zwar auch den Weihnachtsmann, aber sonst wars das schon mit den Übereinstimmungen. Er ist ein Versager, versoffen, griesgrämig und mag keine Kinder. Trotzdem spielt er den Weihnachtsmann.
Er ist nämlich ein Gauner und räumt mit seinem kleinwüchsigen Partner Marcus jedes Jahr zu Weihnachten das Kaufhaus aus, in dem sie ihre Weihnachtsmann-Elfen Nummer abziehen. Immer zu Heiligabend deaktiviert Marcus die Sicherheitsanlage und Willie knackt als gelernter Safeknacker den örtlichen Kaufhaussafe. Mit dem damit erworbenen Geld entkommen sie über alle Berge und machen sich ein schönes Jahr. Diese Methode funktionierte sehr gut und somit schleppte sich Willie über mehrere Jahre ein schönes und versoffenes Leben.

Nun steht wieder Weihnachten vor der Tür und Marcus, der der Kopf und Denker der Gang ist, beordert Willie zum nächsten Kaufhaus, bei den sie wieder ihre Nummer abziehen wollen. Doch Willie kann ohne Alkohol nicht mehr leben und torkelt ständig im Dauersuff umher, was die Arbeit immer wieder erschwert. Irgendwann lernt er jedoch bei seiner "Arbeit" einen kleinen, dicken Jungen kennen, der Willie für den echten Weihnachtsmann hält und ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Glücklicherweise wohnt er nur mit einer alten, senilen Oma zusammen und so nistet sich Willie gleich häuslich bei ihm ein.

Bald darauf lernt Willie in einer Bar Sue kennen, mit der er gleich eine Sex-Beziehung startet, was zu großen Teilen auch auf Sue's Weihnachtsmann-Fetisch zurückzuführen ist. Von nun an treiben sie es an den verschiedensten Orten, natürlich auch im Kaufhaus, was dem Leiter gar nicht gefällt. Dieser wendet sich an den Kaufhausdedektiv Gin und will versuchen, Willie und seinen kleinen Helfer rauszuschmeißen.


Gin schmeißt sich an den Fall ran und findet heraus, dass Willie und Marcus ein Ganovenduo sind, welches jedes Jahr das Kaufhaus ausrauben, in dem sie ihre Weihnachtsmann Nummer abziehen. Doch er wendet sich damit nicht an den Filialleiter, sondern direkt an Willie und Marcus. Er wird sie nicht verraten, wenn er 50% von ihrem diesjährigen Beutezug abbekommt. Widerwillig stimmt Marcus zu, Willie hält sich in seinem Suff aus der Sache raus.
Mit der Zeit rückt das Fest der Liebe immer näher und Willie wohnt schon seit ein paar Tagen bei seinem kleinen dicken Freund, welcher ihm so langsam aber sicher ans Herz wächst und ihm zeigt, was Freundschaft bedeutet. Doch der große Coup kommt erst noch - wird es Willie in seinem Suff diesmal schaffen, mit seinem kleinen Partner das Kaufhaus auszuräumen?

Coen-Spektakel

Die Coen-Brüder, die diesen Film produzierten, haben hier einen etwas anderen Weihnachtsfilm geschaffen, der an allen Ecken nur so vor schwarzem Humor strotzt. Es ist eine Satire, welche den heutigen Weihnachtsboom auf den Arm nimmt und ihm kräftig in den Arsch tritt, denn sie zeigt einen Weihnachtsmann, der ein totaler Versager ist und sich in den meisten Situationen nicht kontrollieren kann, was einerseits auf sein Alkoholproblem, andererseits auf seine teilweise echt fiese Art zurückzuführen ist.

Keiner hätte den Part besser besetzen können als Billy Bob Thornton. Er verhilft dem Drehbuch erst so richtig zum Leben und stellt alle guten Erwartungen an einen Weihnachtsmann in den Schatten. Er ist abgehärtet und verrucht und das bemerkt man ab der ersten Sekunde, als man ihn zu sehen bekommt.



Tony Cox passt auch perfekt in die Rolle des eigentlichen Chefs der Bande Marcus und gibt eine super Leistung ab. Er ist der Kopf der Bande und führt mit seiner Frau alle Organisationen durch, wodurch alles erst ermöglicht wird. Marcus ist zwar klein, macht dies aber durch Intelligenz und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein locker wett. Und das stellt Tony Cox einwandfrei dar.

Lauren Graham, die manch einer vielleicht aus der Serie "Gilmore Girls" kennen mag, gibt hier eine ganz andere Rolle ab, als man es von ihr gewohnt ist. In der Serie "Gilmore Girls" spielt sie eine ordentliche Hausfrau, welche sogar etwas prüde wirkt, doch in diesem Film spielt sie eine trinkende Barfrau mit reichlich Sexappeal, welche mit dem Weihnachtsmann schläft. Also eine sehr vielseitige Schauspielerin.

Die eigentliche Überraschung des Films ist jedoch Brett Kelly, welcher den kleinen, dicken Freund von Willie spielt. Er ist schätzungsweise 10 Jahre alt und zieht in vielen Szenen des Films durch mitreißenden Sprüche die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Er ist zwar untypisch besetzt und gar nicht zum knuddeln, doch gibt eine sehr solide Leistung für sein Alter ab.
Fazit
Wer sich auf einen gemütlichen Weihnachtsfilm für die ganze Familie freut, der ist hier fehl am Platz. Dies ist ganz sicher kein Film für Kinder. Doch wer auf schwarzen Humor steht und gern gute Schauspieler sieht, ist hier richtig. Für eine Komödie ist der Film echt gut und innovativ, aber sonst hat er nicht viel zu bieten außer 92 lustigen Minuten. /pp

alle Bilder © Columbia Tristar


Cinefreaks Wertung:


 

Fakten

Originaltitel:Bad Santa
Land/Jahr:USA 2003
Genre:Komödie
Regie:Terry Zwigoff
Drehbuch:John Requa, Glenn Ficarra
Musik:David Kitay
Studio:Columbia Tristar
FSK:
ab 12
Länge:92 min.
Deutschlandstart:18.11.2004
Internetseiten:
Script zum Film:

Produkte

Schauspieler und Rollen

Tony Cox Tony Cox
als "Marcus"
Lauren Graham Lauren Graham
als "Sue"
Lauren Tom Lauren Tom
als "Lois"
Bernie Mac Bernie Mac
als "Gin"
John Ritter John Ritter
als "Bob Chipeska"

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