Filmkritik zu Battle Royale

Battle Royale Battle Royale Battle Royale
Zukünftiges Japan am Rande des sozialen Abgrundes

Ende des dritten Jahrtausends ist die Gewaltbereitschaft und Brutalität an den Schulen rapide angestiegen. Die Lehrer können die rebellierenden Schüler nicht mehr unter Kontrolle bringen und die Regierung führt harte Maßnahmen ein, um der Sache Herr zu werden. Es wird das sogenannte "BR-Gesetz" eingeführt, bei dem randalierende Schüler zur Raison gebracht werden sollen. Bei diesem Gesetz wird eine 9. Klasse zufällig ausgewählt und auf eine Insel verfrachtet, wo sie mit den letzten Regeln ihres Lebens konfrontiert werden.

1. Regel: Alle Schüler müssen sich gegenseitig töten, bis nur noch einer am Leben ist.
2. Regel: Jeder Schüler bekommt Proviant und eine zufällig ausgewählte Waffe.
3. Regel: Wenn nach 3 Tagen mehr als 1 Schüler überleben sollte, werden alle Schüler eliminiert.

Um die ständige Kontrolle über die Schüler zu haben, werden ihnen elektronische Halsbänder umgebunden, welche ständig Lebenszeichen und Standort übertragen und auch zum explodieren gebracht werden können, um seinem Träger das Lebenslicht auszuhauchen. Somit werden Fluchtversuche oder Auflehnung gegen die Regierung zu einer Reise ins Jenseits.

Shuuya Nanahara ist einer der Schüler der 9. Klasse, der dieses Jahr für das wahnsinnigste Projekt aller Zeiten ausgewählt wurde. Seine Klasse und er freuten sich auf eine lustige Klassenfahrt, doch wie es sich herausstellt, wird es ein Trip zur Hölle. Im Reisebus werden alle Schüler durch Betäubungsgas außer Gefecht gesetzt und erwachen wenig später in einer verlassenen Schule auf der Insel. Sie wissen noch nicht, wo sie sind und nehmen die Sache nicht so ernst, wie sie in Wirklichkeit ist. Doch als ihr ehemaliger Klassenlehrer, Kitano, das Zimmer betritt und ihnen erklärt, womit sie es nun zu tun bekommen werden, wird einigen Schülern klar, wo sie sich befinden. Er erklärt ihnen die Regeln und tötet mal so nebenbei 2 Schüler, die schwatzten oder sich ihm widersetzten. Nachdem dies vorbei ist, geht es zur Sache. Die Schüler bekommen ihren Proviant und ihre Waffe und müssen die Schule nacheinander verlassen.

Die Schüler sind allesamt sichtlich verwirrt und wissen nicht so recht, was sie nun tun sollen. Ein paar Schüler bilden Gruppen und kümmern sich nicht um die Regeln des Spiels. Andere verfallen schon von Anfang an in den Wahn und töten, um zu überleben. Doch es gibt auch Schüler, welche realisieren, dass sie sowieso sterben werden, und sich selbst töten, um es hinter sich zu bringen.

Shuuya und Noriko haben sich zusammengeschlossen und wollen sich ebenfalls den Regeln des Spiels widersetzen. Noriko wurde in der Schule angeschossen und Shuuya kümmert sich nun um sie. Yoshitoki, der beste Freund von Shuuya, dessen Leben in der Schule durch den kaltblütigen Lehrer ein Ende fand, war in Noriko verliebt und nun will Shuuya seinen Platz einnehmen und Noriko beschützen. Auf ihrer Flucht treffen sie unterwegs Kawada, der sich mit ihnen zusammenschließt, um von der Insel zu entkommen. Wie sich später herausstellt, hat Kawada dieses Spiel schon einmal mitgemacht und überlebt, was ihn mit seiner Erfahrung zu einem wertvollen Teil der Gruppe macht.

Bald stellt sich heraus, wer die Favouriten für das diesjährige Spiel sind:
Kiriyama, ein kaltblütiger Killer, tötet jeden, der ihm vor die Uzi kommt und Mitsuko, eine psychopathische Braut, lässt auch keine Gelegenheit offen, um lebend von der Insel zu kommen, indem sie ihre Mitschüler mit einer Sichel aufschlitzt oder erschießt. Dann gibt es noch sogenannte Sub-Charaktere, dessen Geschichte ebenfalls angedeutet und erklärt wird. Die wichtigsten beiden davon sind Mimura und Sugimura. Mimura, ein cooler Basketballspieler will das Übel bei der Wurzel greifen und hackt sich in den Computer der Regierung ein, um dadurch Zeit zu gewinnen und die Schule mitsamt den Erwachsenen in die Luft zu sprengen. Ein Plan, welcher aufgegangen wäre, wenn der irre Kiriyama ihn nicht vereitelt hätte. Sugimura hingegen macht sich als Einzelgänger auf den Weg, um seine langjährige Freundin Chigusa zu finden. Sie sind zwar schon mehrere Jahre zusammen, aber er liebt sie nicht richtig, in Wahrheit liebt er Kotohiki.

Das kaltblütige Schlachten geht weiter und nacheinander werden immer mehr Schüler getötet. Die Liste mit den meisten Kills führt Kiriyama unangefochten an, gefolgt von Mitsuko. Werden es Shuuya und die anderen lebend von der Insel schaffen oder werden sie wie die meisten anderen auch dem Spiel zum Opfer fallen?

Charaktere und Vergleich zum Manga

Mit Koshun Takami fing alles an. Sein Buch "Battle Royale" war ein Finalist der "Kadokawa Mystery Novel"- Preisverleihung und wurde daraufhin 1999 veröffentlicht. Mithilfe des Zeichners Masayuki Taguchi erstellte er später das Manga, welches ein großer Erfolg war und dann von Kinji Fukasaku als Realfilm produziert wurde und noch mehr Erfolg hatte.

Das Manga besteht aus 13 Volumes mit mehreren Chapters in jedem Volume und ist um einiges ausführlicher und gewaltvoller dargestellt als der Film. Nahezu jeder von den 42 Schülern wird erklärt und es gibt viele Nebengeschichten, welche die Handlung noch verständlicher machen. Der Geschichte der Haupt- und Subcharaktere wird viel mehr Beachtung geschenkt und man lernt so jede Person kennen wobei man zu ihnen eine Beziehung aufbaut. Dadurch ist es weitaus tragischer, wenn jemand getötet wird, da man genau weiß, wie und was er fühlt und was für eine Vorgeschichte er hat. Wenn man sieht wie jemand getötet wird, den man nicht kennt, nimmt es einen nicht im Entferntesten so mit, wie als wenn man denjenigen kennen würde. Dadurch entsteht eine bedrückende und mitfühlende Atmosphäre, die einen durch alle Bilder bis zum Ende hin begleitet. Deswegen mag ich das Manga auch mehr als den Film, denn im Film kommt manches im Vergleich zum Manga unspektakulärer rüber und vergeht zu schnell, wobei man sich die Bilder teilweise minutenlang betrachtet und über die Tragödien staunt, die sich da abspielen.

Die Handlung ist im Film im großen und ganzen die gleiche wie im Manga, es gibt aber Teile, die anders verlaufen oder zeitlich verschoben sind. Im Film stirbt z.B. erst Sugimura und dann Mimura, im Manga stirbt jedoch zuerst Mimura.

Da das Manga so ausführlich und lang ist, benötigt man schon ca. 1 Stunde, um ein einzelnes Volume durchzulesen, was im Endeffekt bedeutet, dass man für alle 13 Volumes ca. 10-15 Stunden braucht.
Nun zu den Charakteren:

Shuuya Nanahara

Im Film wird Shuuya als ein eher etwas tollpatschiger und naiver Junge vorgestellt, im Manga dagegen ist er ein sportlicher, von den Mädchen begehrter, cooler Rebell. Im Film und im Manga sind seine beiden Eltern tot, doch im Film wird gezeigt, dass sich sein Vater erhängt hat, das fehlte im Manga. Dafür gibt es wieder eine kleine Nebengeschichte, die erzählt, dass seine Mutter an einer Krankheit starb, als er noch ein kleines Kind war. Er widersetzt sich dem Spiel und hofft darauf, dass alle Schüler mit dem sinnlosen Morden aufhören und gemeinsam gegen den Feind kämpfen.

Yoshitoki Kuninobu

Im Film und im Manga wird er nicht sehr ausführlich erklärt. Man weiß nur, dass er mit Shuuya in einem Waisenhaus aufgewachsen ist und dass er in Noriko verliebt war. Im Film brachte er Shuuya das Gitarre spielen bei, doch im Manga tat Shuuya dies selber.



Noriko Nakagawa

Die weibliche Hauptperson wurde im Manga als typisch hübsches Anime-Girl zu sehen, welche schon immer in Shuuya verknallt war, wie fast alle anderen Mädchen auf der Schule. Im Film sind keine großen Unterschiede zu erkennen, sie ist meist ruhig, verängstigt, doch wenn es darauf ankommt, hilft sie Shuuya.

Shogo Kawada

Im Film bleibt sein Charakter relativ unausgeschöpft, man weiß nicht so recht, was man mit ihm anfangen soll, ob er nun gut oder böse ist. Im Manga bekommt er eine Nebengeschichte gewidmet, die ihn in jüngeren Jahren zeigt, als sein Vater noch am Leben war. Er half ihm bei der Doktorarbeit und sammelte so Erfahrungen, was sich im Spiel als praktisch erweist. Im Film wird er als harter Typ gezeigt, doch im Manga ist er ein noch härterer Typ mit Muskelpaketen. Außerdem ist er der Gewinner des vorherigen Spiels und wahrscheinlich der Pechvogel des Jahrhunderts, ein 2. Mal gewählt zu werden.

Kazuo Kiriyama

Im Film ist er ein wahnsinniger Freiwilliger, der aus Spaß am Spiel teilnimmt und auch viel Erfolg dabei hat. Im Manga ist er ein sehr kaltblütiger Schüler, der eine Bande von brutalen Schülern anführt. In der Kindheit hatte er einen Unfall bei dem er einen Gehirnschaden erlitt und ab da keine Gefühle mehr empfindet oder keine Farben mehr sieht. Deswegen handelt er fast wie eine Maschine und macht alles mit genauester Präzision und nahezu Perfektion. Ob nun bei den Schultests oder im Nahkampf. Sein Markenzeichen: Sein unbeteiligter Gesichtsausdruck, er verzieht nie eine Miene, nicht mal, wenn er mehrere Menschen kaltblütig erschießt. Im Film bekommt er die Uzi erst, indem er sie später einem anderem Schüler abnimmt. Im Manga startet er bereits mit dieser Waffe und einer Unmenge an Munition. Es ist möglich, dass er vorhat, ebenfalls gegen die Regierung zu kämpfen, doch es ist kaum zu sagen, was er vorhat. Da er im Film freiwillig teilnimmt, ist es klar, dass er nur aus Spaß tötet.

Mitsuko Souma

Der weibliche Favorit des Spiels ist im Film eine Verliererin, der wahrscheinlich tragischste Charakter, was man aber nicht von Anfang an zu sehen bekommt. Sie ist im wahren Leben eine Prostituierte und wurde schon im Kindesalter von ihrer Mutter an Männer "verkauft". Das wissen alle Schüler und deswegen hat sie keine Freunde und bekommt keinen Respekt gezollt. Kurz bevor sie von Kiriyama getötet wird, sagt sie: "Ich wollte nur kein Verlierer mehr sein...". Im Battle Royale Spiel wollte sie zeigen, dass sie mehr kann, als die anderen von ihr dachten. Das Spiel war ihre Entschuldigung dafür, der weibliche Gewinner zu sein. Sie wollte beweisen, dass sie keine Verliererin ist. Im Manga ist es im Prinzip das gleiche, nur dass sie außerhalb der Schule eine Bandenleiterin ist.

Shinji Mimura

Auch ein sehr wichtiger Charakter. Er ist ein Revolutionist und will die Regierung besiegen. Von Anfang an beginnt er, sich in den Computer der Inselstation einzuhacken. Er hat eine technische Begabung und bemerkt, dass die Regierung alles mithören, was die Schüler sagen und kommuniziert daraufhin nur noch per Text mit seinen Freunden. Seine beiden Freunde Yutaka and Iijima helfen ihm dabei, die Bomben zu bauen, die er braucht, um die Schule in die Luft zu sprengen. Er hat einen Onkel gehabt, welcher sich ebenfalls gegen die Regierung widersetzte und sehr klug und raffiniert war, doch er wurde von der Regierung elimimiert. Das tragische an der Sache mit Mimura ist, dass er es fast geschafft hätte, wäre Kiriyama nicht dazwischengekommen. Im Film opfert er sich, indem er die Bombe hochgehen lässt um so Kiriyama zu töten. Im Manga stirbt Mimura nicht durch die Explosion, sondern er liefert sich mit Kazuo Kiriyama einen erbitterten Kampf um Leben und Tod, den er dann doch verliert.

Hiroki Sugimura

Im Film wird sein Charakter leider etwas vernachlässigt. Er ist ein Einzelgänger und hat nicht viele Freunde. Doch er hat eine sehr gute Freundin, Chigusa. Sie liebt ihn und er liebt auch sie, doch wie eine Freundin und nicht wie eine Geliebte. In Wahrheit liebt er Kotohiki und er verbringt seine Zeit auf der Insel nur, um sie und Chigusa zu suchen. Als er Kotohiki schließlich findet, erschießt sie ihn, weil sie ihn fälschlicherweise als Bedrohung betrachtete. Als er sterbend am Boden liegt, offenbart er ihr seine Gefühle und sagt ihr, dass er sie liebt. Im Film ist er ein normaler Schüler, im Manga ist er ein sehr guter Martial Arts Kämpfer und kann sich sogar einmal gegen Kiriyama durchsetzen.

Mehr Informationen zu den Mangas findet man unter: Battle Royale Manga

Was wäre wenn...?

"Was würde man tun, wenn man seine Mitmenschen töten müsste?" Diese Frage stellte sich der Regisseur Kinji Fukasaku und erschuf einen Film, der zu einem sehr erfolgreichen, aber auch stark kritisierten Film wurde. Denn der Hauptgrund für den Skandal ist, dass nicht Erwachsene sich gegenseitig töten müssen, sondern dass es normale Schüler sind. So versetzt es den Zuschauer selbst in eine extreme Situation, denn wie würde man selbst reagieren? Würde man zu einer Killermaschine werden und versuchen, alle seine Klassenkameraden und seine besten Freunde zu töten um zu überleben? Diese Frage geht wahrscheinlich jedem Zuschauer durch den Kopf, wenn er den Film sieht. Und die Antwort ist bei jedem (normalen) Menschen sicher gleich: Nein! Jeder normale Mensch würde sich dagegen wehren. Doch in dieser aussichtslosen Situation befinden sich die Schüler und müssen irgendwie damit klarkommen.



Der Film zeichnet sich durch seinen schonungslosen und sarkastischen Umgang mit dem Thema aus. Denn es gibt einige gnadenlose Tötungsszenen und das Schlimmste an diesen Szenen ist nicht das Blut, was literweise fließt, sondern die Tatsache, was da gerade passiert ist. Hervorzuheben wäre Takeshi Kitano als Lehrer. Er macht seine Sache sehr gut und verkörpert die Rolle mit dem gewissen Desinteresse und Kaltschnäuzigkeit am Projekt. Doch sein Ende im Film ist so unrealistisch, dass man schon darüber lachen muss. Er bekommt 2 Maschinengewehrsalven ab, bleibt anscheinend tot liegen, doch als sein Handy später klingelt steht er auf, führt ein kurzes Telefongespräch und stirbt danach trotzdem. Was haben sich die Macher des Films da gedacht?
Fazit
Ein sehr guter Film, der Kultstatus erreicht hat. Die Schauspieler verkörpern sehr gut Wut, Angst und Hoffnungslosigkeit. Das Drehbuch an sich ist nahezu genial, eine perfekte Kritik an der heutigen Gesellschaft und ihrer möglichen Auswirkungen. Die Entwicklung der Charaktere ist im Manga zwar besser und ausführlicher, doch im Film auch sehr gut. Der Film ist auf jeden Fall zu empfehlen. /pp

alle Bilder © Kinowelt


Cinefreaks Wertung:


 

Neuigkeiten zum Film

Fakten

Originaltitel:Battle Royale
Land/Jahr:Japan 2000
Genre:Action
Regie:Kinji Fukasaku
Drehbuch:Kenta Fukasaku
Musik:Masamichi Amano
Studio:Kinowelt
FSK:
ab 18
Länge:113 min.
Deutschlandstart:18.04.2002
Internetseiten:
Trailer(High/Low):  /  

Produkte

Schauspieler und Rollen

Tatsuya Fujiwara Tatsuya Fujiwara
als "Shuya Nanahara"
Aki Maeda Aki Maeda
als "Noriko Nakagawa"
Tarô Yamamoto Tarô Yamamoto
als "Shôgo Kawada"
Chiaki Kiriyama Chiaki Kiriyama
als "Takako Chigusa"
Sosuke Takaoka Sosuke Takaoka
als "Hiroki Sugimura"
Eri Ishikawa Eri Ishikawa
als "Yukie Utsumi"
Takashi Tsukamoto Takashi Tsukamoto
als "Shinji Mimura"

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