Filmkritik zu Aviator

Aviator Aviator Aviator
Genie oder Wahnsinn?

Genies pendeln oft zwischen Wahnsinn, Erfolg und totaler Niederlage hin und her. Dies trifft auch auf Howard Hughes zu, einer der erfolgreichsten Regisseure und Flugzeugbauer des 20. Jahrhunderts. Man könnte ihn auch mit einem Wort beschreiben: Visionär. Er hat nicht wie andere von der Zukunft geträumt, sondern sie gelebt.

Hughes, der 1905 in Houston, Texas, geboren wurde, erbte mit gerade einmal 18 Jahren die Hughes Tool Company und gelangte dadurch auf einmal zu einem riesigen Vermögen. Dieses benutzte er als erstes, um Hollywood zu erobern. Mit seinem Debütfilm „Hell’s Angels“ machte er nicht nur die damals junge Jean Harlow (Gwen Stefani) zum Star, sondern betrieb auch einen bisher nie da gewesenen Aufwand. Die Dreharbeiten dauerten mehrere Jahre und der ganze Film wurde neu gedreht, weil kurz vor der Veröffentlichung des Films die Technologie des Tonfilms entwickelt wurde. Dies kostete, für damalige Verhältnisse, astronomische 3,8 Millionen Dollar und war somit der teuerste bisherige Film. Doch als der Film nach Jahren der Entwicklung schließlich veröffentlicht wurde, schlug er ein wie eine Bombe und Hughes war plötzlich die ganz große Nummer im Filmbusiness. Durch diesen Erfolg angestachelt, drehte er weitere Filme, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Er gelangte zu solchem Ruhm, dass er sich Affären mit den beliebtesten Hollywoodstars leisten konnte, unter anderem Katherine Hepburn, Ava Gardner und Faith Domergue.

Neben dem Film hatte Howard Hughes noch eine weitere Passion: das Fliegen. Bei seinen Dreharbeiten zu "Hell's Angels" begann er sich für Flugzeuge zu interessieren und verbrachte immer mehr Zeit mit seiner neuen Leidenschaft. Er wurde nach Charles Lindbergh zu einem der bekanntesten Piloten und Flugzeugbauer der modernen Luftfahrt. Gemeinsam mit seinem Techniker Glenn Odekirk entwickelte er zahlreiche neue, revolutionäre Flugzeuge – unter anderem auch Spionageflugzeuge fürs US-Militär - und brach einen Rekord nach dem anderen. Als er jedoch das heruntergekommene Luftfahrtunternehmen TWA aufkauft, treten die ersten Probleme auf. Hughes wollte mit TWA an der Quasi-Monopolstellung von Pan Am kratzen, was ihm bald jedoch sehr einflussreiche Feinde einbrachte. Allen voran Pan-Am-Chef Juan Trippe (Alec Baldwin) und dessen Lakaien Senator Ralph Brewster (Alan Alda).

Als er einen neuen Prototyp austestet, kommt es zu einem tragischen Unfall. Er stürzt über Beverly Hills ab und erleidet erhebliche Verletzungen. Unter anderem zertrümmerte Rippen und Verbrennungen 3. Grades an vielen Stellen seines Körpers. Von da an geht es fast nur noch bergab. Seine Aufträge vom Militär werden zurückgezogen und er wird vom Senat zu einer Anhörung beordert. Er schließt sich für Wochen in sein kleines Kino ein und lässt niemanden herein außer seinen Dienern, welche ihm Milch bringen. Seine Phobie vor Bakterien wird so groß, dass er alles nur noch mit Tüchern anfasst und seine Neurosen werden auch immer schlimmer. Doch als er zur Anhörung vor dem Senat muss, richtet er sich wieder langsam auf und kehrt zurück in die Gesellschaft. Er bringt seine Phobie vor Bakterien wieder auf einen annehmbaren Stand und beginnt wieder mit dem Fliegen. Auch seine Anhörung vor dem Senat bringt er erfolgreich und ohne größere Verluste hinter sich. Und da nun die Entwicklung von Düsenflugzeugen vor der Tür steht, kann sich Howard Hughes wieder auf den Flugzeugbau beschränken und den "Weg in die Zukunft" beschreiten...

Analyse

Das "Aviator"-Script von Lohn Logan ("Gladiator", "Last Samurai") sorgte in Hollywood schon seit einiger Zeit für Begeisterung. Zuerst hatte sich Regie-Ästhetiker Michael Mann ("Heat", "Collateral") die Rechte an dem Film gesichert. Doch er nahm schließlich doch vom Regiestuhl Abstand, da er nach "Insider" und "Ali" nicht schon wieder einen biographischen Film drehen wollte. Stattdessen beschränkte er sich auf die Rolle des Produzenten und bot das Drehbuch Martin Scorsese ("Gangs Of New York", "Casino") an. Leonardo DiCaprio wurde prompt engagiert, und mit der Hilfe von Warner Brothers und Miramax wurde ein Budget von rund 110 Millionen Dollar aus dem Boden gestampft. Die Dreharbeiten begannen, doch als im Oktober 2003 Teile des Sets durch einen Waldbrand in Südkalifornien zerstört wurden, wurde der Dreh um ein paar Wochen verzögert.

Bei den meisten Biographien besteht das Problem, dass es in einem Leben einer noch so aufregenden und interessanten Person immer wieder Teile gibt, die nicht so aufregend sind. Dies wird im Film folgenderweise gelöst: Durch die "Vermischung" der beiden Handlungsstränge, Regisseur und Luftfahrzeugbauer, entsteht eine Umgebung, die auch in etwas ruhigeren Szenen eine gewisse Spannung beibehält. Und sollte ein Abschnitt des Lebens von Howard Hughes doch einmal weniger hergeben, so wird dieser einfach relativ schnell abgehandelt. Auf sein Leben nach 1947 wird gar nicht mehr eingegangen, da es wohl zu wenig Stoff für eine interessante Weiterführung liefert und so lieber ein guter Schlussstrich gezogen wird. Wer eine identische Nacherzählung des Lebens von Howard Hughes erwartet, wird jedoch etwas enttäuscht sein, denn ein paar Dinge wurden ausgelassen oder zeitlich vertauscht bzw. anders gestaltet zugunsten des Interesses für den Zuschauer.

Ursprünglich war Jim Carrey für die Rolle des Howard Hughes vorgesehen. Dass er das schauspielerische Talent dafür hat, hat er unter anderem in "Die Truman Show" oder "Vergiss mein nicht" unter Beweis gestellt. Seine Besetzung scheiterte letztendlich an seinem Alter. Am Anfang des Films soll er einen Anfang 20-jährigen spielen und das würde ihm kaum einer abnehmen. Leonardo DiCaprio kann man diese Rolle wohl eher abnehmen. Die Tiefe, die er seinem Charakter gibt, ist extrem gut. Nicht nur, dass er den "jungen Spund" in einen alternden Geschäftsmann sehr gut rüberbringt, sein innerer Kampf verdient weitaus mehr Lob. Anfangs ist er noch exzentrisch, z.B. bringt er seine eigene Seife auf die öffentliche Toilette mit oder bestellt sein Essen genau nach seinem Wunsch. Mit der Zeit entwickelt sich dieser allerdings zum extremen Phobiker und Neurotiker. Für Leonardo DiCaprio ist Howard Hughes das, was John Nash in "A beautiful mind" für Russell Crowe war. Russel Crowe wurde für seine außerordentliche Leistung in jenem genannten Film nicht preisgekrönt, wir werden sehen, ob Leonardo DiCaprio das ähnliche Schicksal erleiden muss... Dass der Film hauptsächlich auf der Person des Howard Hughes beruht, wird nach den ersten Minuten klar. Doch auch die anderen Nebenrollen überzeugen. Cate Blanchet, Kate Beckinsale, Alec Baldwin und Jude Law können ihre, wenn auch nicht großen Rollen allesamt sehr gut verkörpern und gehen unter DiCaprios Leistung nicht gänzlich unter. Der Auftritt Gwen Stefanis jedoch war viel kleiner als in den Medien immer angepriesen. Ihre 2 Sätze und 2 Minuten Auftritt waren nun wirklich nicht das, was erwartet wurde.
Fazit
Teilweise ist "Aviator" schon wie eine kleine Geschichtsstunde. Sehr zu loben ist die schauspielerische Leistung von DiCaprio und die eigentliche Handlung des Films, sowie die Kameraführung. Martin Scorsese hat es geschafft, einer außerordentlichen Persönlichkeit einen außerordentlichen Film zu widmen. "Aviator" ist jedoch ein Film über ein ureigenes Thema der Amerikaner, was hierzulande sicherlich nicht jeden ansprechen dürfte. Doch sei’s drum. Wer mit der Thematik von vornherein nichts anfangen kann, ist hier sicherlich im falschen Film. /pp

alle Bilder © Buena Vista


Cinefreaks Wertung:


 

Neuigkeiten zum Film

Fakten

Originaltitel:The Aviator
Land/Jahr:USA 2004
Genre:Drama
Regie:Martin Scorsese
Drehbuch:John Logan
Musik:Howard Shore
Studio:Buena Vista
FSK:
ab 12
Länge:170 min.
Awards/Preise:Golden Globe 2004 für Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Beste Musik
Deutschlandstart:20.01.2005
Internetseiten:
Trailer(High/Low):  /  

Produkte

Schauspieler und Rollen

Leonardo DiCaprio Leonardo DiCaprio
als "Howard Hughes"
Cate Blanchett Cate Blanchett
als "Katharine Hepburn"
Kate Beckinsale Kate Beckinsale
als "Ava Gardner"
John C. Reilly John C. Reilly
als "Noah Dietrich"
Alec Baldwin Alec Baldwin
als "Juan Trippe"
Alan Alda Alan Alda
als "Senator Ralph Owen Brewster"
Ian Holm Ian Holm
als "Professor Fitz"

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